Reinkarnation und Auferstehung - Ein Widerspruch?

Reinkarnation und Auferstehung: Zwei zentrale Begriffe aus der Theologie und Philosophie

Auf einem Seminar an der Hochschule in Lundo, Trentino, in Italien zur Jahreswende 25/26 sprach ich, also der Autor dieser Seite, über das philosophische und theologische Thema "Reinkarnation und Auferstehung - In welchem Verhältnis stehen sie zueinander?"

Diese beiden Vorstellungen über ein Leben nach dem Tod sind von der philosophischen Seite oder auch von der theologischen Seite her ein zum Teil sehr strittiges Thema. Das geht so weit, dass in manchen religiösen Richtungen, die eine Vorstellung komplett abgelehnt wurde oder wird, weil sie der anderen widersprechen soll. So lehnt man zum Beispiel die Reinkarnation in Kirchenkonfessionen ab, weil sie mit deren Auferstehungsvorstellung nicht verträglich sei.

Man erfährt zu den beiden Vorstellungen in den Enzyklopädien folgendes (aus Wikipedia - Die freie Enzyklopädie):

Der Begriff Reinkarnation, (deutsch ‚Wiederfleischwerdung‘ oder Wiederverkörperung‘), auch Palingenese(altgriechisch, aus pálin ,wiederum‘, ‚abermals‘ und génesis ‚Erzeugung‘, ‚Geburt‘), bezeichnet Vorstellungen der Art, dass eine (zumeist nur menschliche) Seele oder fortbestehende mentale Prozesse (Buddhismus) sich nach dem Tod – der „Exkarnation“ – erneut in anderen empfindenden Wesen manifestieren.

Als Auferstehung (altgriechisch anástasis, lateinisch resurrectio) wird die Erweckung Verstorbener zu einem ewigen Leben nach oder aus dem Tod bezeichnet. Eine Auferstehung erhoffen und lehren verschiedene Religionen, besonders die drei monotheistischen Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam. Sie folgen der religiösen Vorstellung einer Erweckung aller Gestorbenen zu einem Endgericht eines Gottes über Böse und Gute (Perserreich), unterscheiden sich jedoch von Vorstellungen einer Trennung der unsterblichen Seele vom gestorbenen Leib (Hellenismus) und einer Reinkarnation (Wiedergeburt, Wanderung) der Seele in einen anderen sterblichen Leib (Hinduismus, ägyptische Mythologie).

Der oben genannte Vortrag, auf den sich dieser Beitrag nun bezieht, war in zwei Teile gegliedert, einen ersten reinen Übungsteil, der auf den eigentlichen zweiten Teil vorbereiten sollte, der sich mit den Begriffen dann direkt auseinandersetzte. Der Übungsteil sollte bei den Teilnehmern erste Empfindungen zu der Tiefe des Themas entwickeln und die ganz unterschiedlichen Perspektiven zu den Vorstellungen über Reinkarnation und Auferstehung aufzeigen, wie sie in den verschiedenen Kulturbereichen oder auch religiösen Richtungen gebildet wurden.

Die Aufteilung des Vortrags in zwei Teile wird auch hier im Beitrag beibehalten. Ich zeige in diesem Beitrag eine Auffassung, die möglich macht, beide Vorstellungen nicht nur nebeneinander bestehen zu lassen, sondern auch in Beziehung zu bringen. Die in der Darstellung gegebene Auffassung hat auch den Wert, dass manche religiöse oder philosophische Streitigkeiten im Sinne von "entweder Auferstehung oder Reinkarnation" dann nicht mehr notwendig sind.

 

Teil 1, die Übungen:

Als Erstes zeige ich eine Betrachtungsübung, hier in Form eines Videos, welche eine erste Empfindung für das Werden und Vergehen in der Welt heranbilden soll. Diese wurde auch im Vortrag in der hier wiedergegebenen Weise angeleitet. 

 

Es wird die Entwicklung einer geometrischen Figur von der Entstehung bis zur Auflösung gezeigt. Im Vortrag wurde diese dann von den Teilnehmern in der Rückerinnerung noch einmal aufgebaut. Der Leser kann diese Übung auch hier praktizieren (Bilder: Autor):

Bildfolge Dodekaeder herunterladen

 

Die vollständige Betrachtungsübung findet der Leser auf meinem Youtube-Kanal "Saturno1137".

 Adresse: https://youtu.be/9rHj__GWYoo

 

Mit diesem Bild zu dem Gedanken "Der Weg in die Tiefe eröffnet eine Wirkung im weitesten Umkreis" kann der Leser eine weitere Übung, wie sie auch im Vortrag mit Betrachtung und Rückerinnerung durchgeführt wurde, ebenfalls praktizieren (Bild: Autor).

Video Tiefenwirkung herunterladen

 

Die vollständige Betrachtungsübung findet der Leser wieder auf meinem Youtube-Kanal "Saturno1137".

Adresse: https://youtu.be/A8cvtPOFWXg

Nach einer Darstellung des Geistforschers Rudolf Steiner sind die verschiedenen Formen der Vergänglichkeit in der äußeren Welt nicht gleichzusetzen, also kurz ausgedrückt ist "Tod" nicht gleich "Tod". Eine solche Unterscheidung stellte ich auch den Teilnehmern im Vortrag vor. Der Leser kann diese Unterscheidung nun an den verschiedenen sprachlichen Ausdrucksformen zur der Vergänglichkeit der unterschiedlichen Lebens- und Naturgebiete nachvollziehen (nach einer Zusammenstellung von Rudolf Steiner):

Der Buchhinweis bezieht sich auf das Buch von Andreas Neider, "Der Mensch und das Geheimnis der Zeit", Verlag Freies Geistesleben, ISBN: ‎ 978-3772541889.

Interessant ist in dieser Zusammenstellung, dass Steiner dem Tod des Christus noch einmal eine eigene Position gibt. Denn es ist zum Beispiel im Johannes Evangelium des Neuen Testamentes tatsächlich so, dass der Christus als Ankündigung seines Todes nicht zu seinen Jüngern spricht "ich werde sterben und auferstehen", sondern er spricht zu ihnen "ich gehe zum Vater".

Zu den Begriffen Reinkarnation und Auferstehung existieren die unterschiedlichsten Einschätzungen und Auffassungen. Dazu hatte ich im oben genannten Vortrag mit den Teilnehmern verschiedene Texte betrachtet, die hier nun folgen:

Texte zur Reinkarnation

1) Aus Goethes Gedicht "Gesang der Geister über den Wassern":

 

Des Menschen Seele

Gleicht dem Wasser

Vom Himmel kommt es

Zum Himmel steigt es

Und wieder nieder

Zur Erde muss es

Ewig wechselnd.

Bild: Arthur Rackham (1867–1939), Illustration zu „Gesang der Geister über den Wassern“, ca. 1909, public domain.

2) Bistum Trier, Bischöfliches Generalvikariat:

 

Reinkarnation - eine außerchristliche Vorstellung

"Nach christlicher Vorstellung ist der Mensch einmalig und nur als Einheit aus Leib und Seele denkbar. Nur in dieser einzigartigen Einheit des konkreten Leibes und der Seele ist der Mensch ganz Mensch. Darauf gründet sich auch die Überzeugung, dass jeder Mensch mit Leib und Seele zum ewigen Leben auferweckt wird. Auch das schließt die Vorstellung aus, dass ein menschlicher Wesenskern immer wieder in einen neuen Leib wiedergeboren würde..."

Bild: Auferstehung, Jüngstes Gericht, Gustave Doré (1832–1883), La Grande Bible de Tours, 1866, public domain.

3) Hans Wolfgang Schumann, "Der historische Buddha":

 

Vom "Rad der Wiedergeburten"

"Alle Wesen unterliegen der Wiedergeburt, wodurch das Leiden mit dem Tod nicht endet, sondern in der nächsten Existenzform sich fortsetzt. Die Wiedergeburt wird gesteuert von dem Naturgesetz der reinen Bedingungen, die sich von einem Dasein in das nächste Dasein übertragen (Karma). Die Triebkräfte, die den Kreislauf der Wiedergeburt in Gang halten, sind die Gier nach (irdischem) Dasein, deren Auslöschung jeder in sich selbst durch Selbstkontrolle bewirken kann. Die Befreiung oder Erlösung liegt in der Beendigung des Wiedergeburtenkreislaufs durch das Verlöschen der Gier nach (irdischem) Dasein (erstrebter Zustand der ´Nichtmehrwiederkehr´, des Eingehens in das ´Nirvana´)".

Bild: Das Bhavacakra (Sanskrit; Devanagari: भवचक्र; Pali: bhavacakka) oder Rad des Werdens ist eine symbolische Darstellung des kontinuierlichen Existenzprozesses in Form eines Kreises, der vor allem im tibetischen Buddhismus verwendet wird (public domain).

4) Rudolf Steiner 1913, "Von den wiederholten Erdenleben und vom Karma":

  "Was man mit einem morgenländischen Worte "Karma" nennt: es wächst in der angedeuteten Art mit dem ´anderen Selbst mit dem geistigen Ich-Wesen´ zusammen. Der Lebenslauf eines Menschen erscheint inspiriert von seiner eigenen Dauerwesenheit, die von Leben zu Leben sich weiterführt; und die Inspiration erfolgt so, dass die Lebensschicksale eines folgenden Erdenseins als die Folge sich ergeben der vorangehenden Erdenleben."

Bild: "Wiedergeburt", KI nach Vorlage.

Texte zur Auferstehung

1) Johannesevangelium, 5, 28/29:

  "Schon kommt die Zeit, da alle, die in den Gräbern liegen, seinen Ruf (den Ruf des Sohnes, des Christus) vernehmen werden. Die Vollbringer des Guten werden daraus hervorgehen und durch die Auferstehung das wahre Leben finden; ..."

Bild: Steinplatte an einem Friedhof, Pixabay

Hier ergibt sich zum Beispiel die interessante Frage: Was in den Gräbern soll den Ruf des Christus hören, wenn in den Gräbern (in der Erde) nur der Staub der vergangenen Körper ist und der Mensch selbst als geistig-seelisches Wesen in die nachtodliche Welt geht oder aber wenn es überhaupt kein Leben nach dem Tod gibt und der Mensch dann am Ende der Zeiten "aus dem Nichts" auferweckt werden soll?

2) Rudolf Steiner, "Das esoterische Christentum", S. 286:

 

"Wenn wir unsere Erde durchforschen, so finden wir als das Rätselvollste auf ihr Geburt und Tod. Das Wesen sterben können, ist doch das Grundproblem für die forschende Menschheit. Tod, Sterben gibt es nur auf der Erde, in den höheren Welten gibt es keinen Tod, sondern nur Verwandlung Metamorphosen... und es würde, wenn nicht etwas geschehen wäre von Seiten der Götter, die ganze Menschheit immer mehr hinein verstrickt worden sein in eine dem Tode zuführende Tendenz."

Bild: Evelyn De Morgan (1855-1919), "The Angel of Death", 1880-1881, public domain.

3) Rudolf Steiner, "Das Sonnen Mysterium und das Mysterium von Tod und Auferstehung", Seiten 123 - 136:

  "Der auferstandene Christus lehrte den Aposteln dasjenige, was er erfahren und überwunden hatte beim Durchgang durch den Tod, er lehrte ihnen die tiefere Bedeutung des Todes, das "Geheimnis des Todes" und was mit dessen Überwindung als Auferstehung und Neuwerdung zusammenhängt."

Bild: "Auferstehung", Pixabay

Es stellten sich in Gesprächen während dieses Teils des Vortrags wiederum interessante Fragen:

  • Was ist der Mensch durch diese Lehre vom "Geheimnis des Todes" geworden, oder was bedeutet sie für ihn und die Welt? Was hat es mit dem Tod auf sich und damit mit seiner Überwindung, der "Auferstehung"?
  • Warum ist der göttliche Geist (der Christus) durch die Materie, durch den Tod gegangen, wenn die wandelbare Materie oder der Tod doch nur ein ewiges Kommen und Gehen, ein ewiges Werden und Vergehen der Erscheinungen darstellen, dem man nicht allzu viel Bedeutung beimessen sollte, wie das oft in alten östlichen Philosophien ausgedrückt wird?

4) Gerhard Lohfink, "Die Auferstehung Jesu und die historische Kritik", Eberhard-Karls-Universität Tübingen:

"Von vornherein muss hier mit Nachdruck gesagt werden: Als Jesus von den Toten auferweckt wurde, ist nicht einfach ein Gestorbener in das Leben der diesseitigen Welt zurückgekehrt wie etwa bei der Auferweckung des jungen Mannes aus Naim (Lk 7,11-17). Nach dem Zeugnis der Paulusbriefe und der Evangelien ist die Auferweckung Jesu nicht lediglich Wiederbelebung seines Leichnams, sondern ein eschatologisches Ereignis. Das heißt: Mit der Auferweckung Jesu haben die Ereignisse des Endes schon angefangen, im auferstandenen Jesus hat die "neue Schöpfung" bereits begonnen, die allgemeine Totenauferweckung hat ihn ihm bereits ihren Anfang genommen. Der Auferstandene und der Vorgang seiner Auferstehung gehören also nicht mehr in unsere Welt hinein."

Interessant ist hier, das die Auferstehung Christi als ein "eschatologisches Ereignis" bezeichnet wird. Also als der Beginn einer "neuen Schöpfung", als der Anfang einer "neuen Welt", die nicht mehr in unsere Welt hineingehört. Aber welcher Welt gehört sie dann an und welche Rolle spielt der Mensch selbst bei diesem Geschehen?

5) Heinz Grill, Antwort auf eine Frage zum Verständnis der Zeit, November 2025:

  "Es ist auf jeden Fall wahr, dass alles, was das Auge sieht (was überhaupt sinnlich wahrgenommen wird), ein Abbild des Toten, also bereits Vergangenem ist. Das Zeiterleben im Irdischen ist in der Regel durch die äußeren Ereignisse, die nacheinander stehen, gekennzeichnet, während das Zeiterleben im Geistigen durch die Entwicklungsfrage gekennzeichnet ist. Zeit ist in diesem Sinne auch Entwicklung."

Bild: Reste einer Ruine, Pixabay

6) Heinz Grill, "Die Signaturen der Planeten und die seelisch-geistige Entwicklung in der Pädagogik", Seiten 51/52:

  "In der Erde lebt der Christusgeist oder allgemein der Geist der Liebe und dieser ist sonnenhaft. Er ist gleichzeitig warm. Er atmet auf unsichtbare und freie Weise aus allen Erscheinungsformen des Irdischen, aus den festen Gegenständen wie auch aus dem Wässrigen und Gasförmigen, auf stille Weise heraus…
Es lebt in dieser Ausatmung des Christusgeistes das menschliche Ich und dieses bildet sich in jedem Augenblick auf neue und souveräne Weise im Innersten oder im geistigen Sein des Menschen."

Bild: "Der Christus als Geist der Erde", Ruurd Relick

Im Vortrag stellten sich damit weitere Fragen:

  • Entwickelt sich der Mensch vielleicht vom Geschöpf zum bewussten, freien Schöpfer, gibt es einen Entwicklungsgang von einer rein notwendigen, gesetzlich geführten Entwicklung zur freien schöpferischen Entwicklung?
  • Wie stehen Reinkarnation und Auferstehung im Verhältnis zur Idee der Entwicklung oder der "Evolution"? Was ist Entwicklung und welches Ziel hat sie? Warum überhaupt "Auferstehung", wenn der Mensch sowieso immer wieder inkarniert?

 

Teil 2, der Vortrag:

Für die Darstellung meiner Hypothese des Verhältnisses zwischen Reinkarnation und Auferstehung greife ich auf die Weltentstehung und Kosmologie zurück, wie sie bei Rudolf Steiner in zahlreichen Vorträgen zum Ausdruck kommt. Insbesondere handelt es sich hierbei um Vorträge, die in folgenden Büchern abgedruckt sind:

Rudolf Steiner, "Die Evolution vom Gesichtspunkte des Wahrhaftigen", TB 761, ISBN 978-3-7274-7610-5

Rudolf Steiner, "Die Polarität von Dauer und Entwicklung im Menschenleben", GA 184, ISBN 3-7274-1840-0.

Ebenso floss in diese Hypothese die Auseinandersetzung mit dem Buch von Andreas Neider ein, mit dem Titel:

"Der Mensch und das Geheimnis der Zeit", ISBN 978-3-7725-1908-6.

So spielte überhaupt die Betrachtung der Zeit und des Zeitlichen und gerade die Polarität von Dauer und Entwicklung bei der Ausarbeitung der Thematik eine große Rolle, da auch die Vorstellung einer "Dauer" oder "Ewigkeit", also des ewig Gleichbleibendem dem Gedanken einer Entwicklung  für die Welt als Ganzes, also auch für die geistige Welt, zu widersprechen scheint.

Sehr wichtig ist für das Verständnis, dass man sieht, dass die Entstehung der Welt in der Geisteswissenschaft Rudolf Steiners ganz anders beschrieben ist als in der heute üblichen Wissenschaft.

In der heute üblichen Wissenschaft kann man sagen, entwickelt sich die Welt im Prinzip linear, wenn wir es einfach ausdrücken. Aus einem Urknall formen sich über Kondensationsvorgänge und Verdichtungen materielle Gebilde in einer sich ausdehnenden Raumzeit bis zu ihrer gegenwärtigen Erscheinung, die dann als Planeten, Sonnen, Galaxien usw. bezeichnet werden.

 

Der Raum mit Sternen und Galaxien als Ergebnis eines singulären oder punktartigen "Urknalls" vor "Milliarden von Jahren" entstanden. Der Urknall selbst mit "unvorstellbarer Energiedichte und unvorstellbar hohen Temperaturen" entzieht sich als Punktzustand jeglicher bildhaften Beschreibung.

Bild: Wikilmages, Pixabay

 

Bei Rudolf Steiner geschieht die Weltentstehung und Weltentwicklung in Stufen. Es gibt eine erste Form der Welt, die erscheint, gebildet wird, in der alles noch in hoch feinem Zustand vorliegt, die aber wieder verschwindet, also sich ganz auflöst. Dann tritt die Welt als zweite Stufe neu in Erscheinung, wiederholt zunächst das Alte und dann kommt aber etwas Neues hinzu, so etwas wie eine weitere Durchformung der Welt. Auch diese Stufe löst sich wieder vollständig auf, verschwindet also. Es ist nicht nur so, dass die Weltstufe wieder nebulöser oder so etwas wie "dünner" wird, sondern sie verschwindet wirklich komplett. Dann erscheint die Welt wieder auf einer dritten Stufe und so weiter. Also die Weltentwicklung bei Steiner ist nicht linear, sondern sie ist stufenförmig. Das, was wir heute als die Erde und ihr ganzes kosmisches Umfeld bezeichnen, das ist die vierte Stufe der Welt nach dieser Anschauung und auch die weitere Folge der Welt wird sich stufenförmig entwickeln in einer Abfolge von Bildung , Auflösung und wieder Neubildung.

Die Folge der Welten in vier Stufen mit ihren Charakteren läßt sich am besten in bildhaften Symbolen darstellen, deren Aussehen und Abfolge einen schon fast meditativen Charakter haben:

Von links nach rechts: "Aus einem weiten Umkreis legt sich in einer radialen Bewegung ein Zentrum an. Es ist eine Art Urbeginn, eine beginnende Zeit. Aus dieser Mitte entspringt eine Linie in einer rhythmischen Wellenbewegung. Mit rückläufigen Linien oder Bewegungen entfalten sich flächige Formen, welche sich schließlich in die dritte Dimension einer plastischen Räumlichkeit wölben." (Zeichnungen: Autor)

Für Steiner zeigt sich die Welt als eine Art kosmisches Bewusstsein mit Organismus, welches sich in Stufen von Werden und Vergehen fortführt.

Als erstes möchte ich nun die Beziehung von Dauer und Vergänglichem, wie ich sie aus den oben genannten Schriften verstanden habe, erläutern.

 
  • Die obere oder sogenannte geistige Welt, als die Welt der Ideen und Ideale, wird auch als die Welt der Dauer bezeichnet. In ihr existiert keine vergehende Zeit, die Beziehungen ihrer Gedankenwesen und Qualitäten sind gesetzmäßig geregelt und beständig, also "ewig".

 

  • In der unteren zeitlich-räumlichen Welt, der sogenannten physisch-ätherischen Welt finden alle Veränderungen statt, also alles Werden und Vergehen. Die rein hierarchischen Beziehungen in der oberen Welt bilden sich in die untere Welt als zeitlich ablaufende Prozesse ab. Es ist das Gebiet der Vergänglichkeit.

Graphik: Autor

Diese Reinform der Trennung von Dauer und Zeitlichkeit entspricht einer bestimmten Stufe der Weltentwicklung, die jetzt schon überschritten ist, wie ich später weiter unten erläutern werde.

Wir kommen also wieder auf die Frage, wie eine Entwicklung für die gesamte Welt, also auch für die geistige Welt erfolgen kann, wenn doch in der geistigen Welt alles von Dauer, also unveränderlich ist und Veränderungen (Entwicklungen) nur in der unteren Welt möglich sind. Wie kann es also ein "Werden und Vergehen", eine Entwicklung für die ganze Welt geben?

Die Frage ist zentral für das hier dargestellte Verhältnis zwischen Reinkarnation und Auferstehung, wie ich im Folgenden zeigen will.

Eine weitere wesentliche Frage ist, wie steht der Mensch in dieser zeitlich gegliederten Weltstruktur?

 
  • Der Mensch ist seiner eigentlichen Gesamtheit nach ein Doppelwesen. Er gehört mit seiner äußeren, sinnlich sichtbaren Erscheinung sowohl der Welt des Vergänglichen als auch mit seinem geistigen Wesenskern der Welt der Dauer an (gestrichelte ellipsenförmige Figur).

 

  • Das zeigt sich in der Eigenschaft des Reinkarnierens, die man als ein Pendeln zwischen  den beiden Welten auffassen kann (grüner gestrichelter Doppelpfeil).

Graphik: Autor

Mit seiner äußeren Erscheinung in der irdisch-leiblichen Gestalt und in den an diese Leiblichkeit gebundenen Bewusstseinsformen zeigt sich der Mensch als vergängliches Wesen. Seine irdische Lebensspanne ist durch Geburt und Tod begrenzt, seine Körper- und Bewusstseinsformen unterliegen einem stetigen Wandel. Dennoch steht er aber in diesem äußeren Leben in Beziehung zu seinem geistigen Wesenskern, wenn ihm auch diese Beziehung im gewöhnlichen Leben nicht zu Bewusstsein kommt.

Nach seinem Versterben lebt der Mensch zunächst als leibfreies, geistig-seelisches Wesen, dann später als rein geistige Entität in der Welt der Dauer weiter. Er steht aber auch hier mit der leiblichen Sphäre in Zusammenhang, da in diesen Bereichen die Körperlichkeit für eine nächste Inkarnation schon vorbereitet wird.

 

Die Lage einer gedachten Kompassnadel im kosmischen Magnetfeld der Erde als Symbol für die Orientierung des Menschen im Kosmisch-Zeitlichen. (Bild: KI)

In interessanter Weise beschreibt Rudolf Steiner die Einordnung des Menschen in ein Gesamtes1): So wie die Magnetnadel des Kompasses sich in das Kosmisch-Räumliche des Erdmagnetfeldes einfügt, so fügt sich der Mensch in das Kosmisch-Zeitliche ein. Urferne Vergangenheit und ferne Zukunft, beide sind in ihm angelegt. Wie die Magnetnadel nach Süd und nach Nord weist, so weist der Mensch schon in seiner leiblichen Anlage sowohl in die Vergangenheit als auch in die Zukunft.

 

1) Rudolf Steiner, "Die Polarität von Dauer und Entwicklung im Menschenleben", S. 97/98 u. S.105, GA 184, ISBN 3-7274-1840-0.

Damit ist für den Menschen das Zeitliche oder die Zeit eigentlich nie aufgehoben und er gehört beiden Welten an, der Welt der Dauer und der Welt des Räumlich-Zeitlichen, obwohl im Nachtodlichen das Geistige bestimmend ist, während im irdischen Leben zumindest scheinbar die Körperlichkeit oder das Vergängliche dominiert. Mit dieser Doppelnatur in dem Wechsel zwischen einem rein geistigen Leben und einem irdischen Dasein deutet sich keimhaft schon etwas an, das zu einer Überwindung der Polarität von Dauer und Vergänglichkeit führen könnte.

Für die weitere Betrachtung des Verhältnisses von Reinkarnation und Auferstehung stelle ich nun die Weltentwicklung in aufeinanderfolgenden  Stufen bezüglich des Zeitlichen schematisch dar:

 

 

Die ersten drei Stufen der Weltentwicklung bezüglich der Zeit (Graphik: Autor):

  • Erste Stufe: Aus einem Kontinuum, das "weder Raum noch Zeit" ist (grau), gebiert sich eine Urform der Zeit (obere Kreisform).
  • Zweite Stufe: Durch einen Abstieg von Geistwesen entsteht eine erste Trennung im Weltgefüge (mittlere Kreisform).
  • Dritte Stufe: Diese Trennung verdichtet sich zu einer Teilung des Zeitlichen in reine Vergänglichkeit und "Ewig-Dauerndem" (untere Kreisform, die grünen Pfeile deuten den Menschen an, in seinem Wechsel zwischen beiden Bereichen).

 

Zu beachten ist, dass jede Stufe nach ihrer Bildung und Ausformung komplett verschwindet und notwendig wieder hervortritt, das Alte wiederholend und Weiteres notwendig hervorbringend. Was im Bilde als räumliches Untereinander dargestellt ist und als zeitliches Nacheinander aufgefasst werden könnte, ist in Wirklichkeit ein Ineinander von Weltzuständen. So existieren die "alten" oder "früheren" Weltstufen auch heute noch innerhalb der jetzigen Weltstufe. Sie sind für den Menschen aber nicht ohne weiteres erfassbar.

Die dritte Weltstufe entspricht dem weiter oben dargestellten, detaillierteren  Bild eines im Wesentlichen noch bestehenden Verhältnisses von Dauer und Vergänglichkeit.

Man kann sich schon die Frage stellen, warum das Leben des Menschen im irdischen Dasein so rätselhaft erscheint, warum es auf der eine Seite eine geistige Welt des "Nebeneinanders" gibt, durch die anscheinend auf der anderen Seite die irdischen Dinge im zeitlichen "Nacheinander" bestimmt werden, ohne dass dieser Zusammenhang den Menschen gewöhnlich im Irdischen zugänglich ist.

Denn für die dritte Weltenstufe mit der Polarität aus Dauer und vergehender Zeit gilt nach einer Aussage Rudolf Steiners:

"Das, was in der Region des Leiblich-Seelischen als Evolution, als Entwicklung (allg. als Veränderung, also als Zeitliches) erscheint, das ist gebunden an ein Geistig-Seelisches, in dem von Entwicklung (also von Zeit) nicht gesprochen werden kann, sondern nur von dem Übergehen, ... von einem Bilde zu einem anderen (die dauerhaft, also ewig sind)...2)"

2) Rudolf Steiner, "Die Polarität von Dauer und Entwicklung im Menschenleben", S. 129, GA 184, ISBN 3-7274-1840-0.

Diese Rätselhaftigkeit ist eben ein Ausdruck einer noch geteilten oder polarisierten Welt. Sie ist geteilt nach Dauer und Vergänglichkeit, aus einem ursprünglichen Gemeinsamen stieg ein Teil der Welt ab in das Vergängliche, während ein anderer sich zu Ewigkeit oder Dauer erhoben hat. Der Mensch als "Doppelwesen" gehört beiden Bereichen an.

 

Philosophischer Geist - Naturgesetzlichkeit (Zeitlichkeit), ein unüberbrückbarer Gegensatz? (Graphik: Autor)

Nach den Aussagen von Geistforschern erlebt gerade der Mensch der letzten Jahrhunderte diese Trennung so scharf zwischen dem, was Geist ist und gewordene Natur oder Naturgesetzlichkeit, während für Menschen weit zurückliegender Zeiten diese Trennung nicht so deutlich war. Gerade die verschiedenen Philosophen der Neuzeit haben sich immer wieder mit diesem Problem beschäftigt.

 

Siehe zum Beispiel folgende Bücher:

  • Gregory Bateson: "Geist und Natur", Suhrkamp Verlag, ISBN 978-3-518-28291-5. Eine Erkenntnistheorie einer Einheit, die auf der Annahme beruht, dass  stochastische Prozesse die Grundlage aller Entwicklung (geistig wie äußerlich materiell) bilden.
  • Walther Christoph Zimmerli, Hans Peter Dürr: "Geist und Natur. Über den Widerspruch zwischen naturwissenschaftlicher Erkenntnis und philosophischer Welterfahrung", Scherz-Verlag, ISBN 978-3-502-19171-1.

Mit der oben beschriebenen dritten Stufe der Weltentwicklung kommen wir noch schärfer an schon gestellte wichtige Fragen heran:

Es gibt auf dieser dritten Weltstufe also zwei Pole:

  • Die Welt der Dauer: Die geistige Welt (der das Geistig-Seelische des Menschen angehört). In der Dauer kann von einer Entwicklung nicht gesprochen werden, da diese zeitlich ist (vom weniger Entwickeltem zu höher Entwickeltem).
  • Die Welt des Vergänglichen: Die zeitliche, irdische Welt (der das Körperlich-Seelische des Menschen angehört), in der Entwicklung, also Zeitliches erfolgt.

Bisher wurde erklärt, dass die Welt der Dauer die Welt des Zeitlichen bedingt: Was in der Welt der Dauer als zeitlose Beziehungen in verschiedenen "Regionen" besteht, ergibt in der Welt von Werden und Vergehen ein zeitliches Nacheinander, eine Entwicklung.

Der Mensch ist das einzige Wesen, das immer wieder inkarniert, also zwischen beiden Welten hin- und her pendelt. Das sich so ergebende Gesamtbild entspricht im Wesentlichen der "vorchristlichen" Form des Buddhismus, in der der Mensch sich in einem ewigen Kreislauf befindet, im "Rad der Wiedergeburten" (siehe oben, Teil 1, die Übungen), in dem sich alles nach dem Prinzip der Notwendigkeit (Karma) vollzieht und wiederholt.

Welche Bedeutung hat aber die Welt von Werden und Vergehen für die Welt der Dauer (die geistige Welt)?
Es eröffnet sich also die Frage nach dem Verhältnis und Sinn der zeitlichen Welt zur Welt der Dauer überhaupt. Der Begriff der Entwicklung kann nur im Zusammenhang mit der Zeit und nicht außerhalb der Zeit gedacht werden, er kann also nicht im Sinne eines ewig gleichbleibenden Dauerndem gedacht werden.

Man bekommt daher von der dritten Weltenstufe den Eindruck eines Zerfalls in zwei "Parallelwelten", bei denen die eine die andere bedingt, aber nicht umgekehrt, so dass die Welt des Zeitlichen für die Welt der Dauer also bedeutungslos wäre.

 

"Auferstehung Jesu Christi", Bild von Matthias Grünewald 1480-1528. Dieses Bild ist Teil des Isenheimer Altars in Colmar, 1512 bis 1516 geschaffen. Das Original befindet sich im Musée Unterlinden, Colmar nahe bei der deutsch-französischen Grenze.

Gehört das Wirken des Christus der Welt des Zeitlich-Vergänglichen oder der geistigen Welt der Dauer oder beidem an?

 

In Bezug auf die Auferstehung schimmert an dieser Stelle aber ein neuer, dritter Aspekt durch:

Das Wirken des Christus kann weder der Welt der Dauer noch der Welt des rein Vergänglichen zugeordnet werden. Denn wäre es eine rein irdische, vergängliche Erscheinung, so könnte nicht von Auferstehung im Sinne der Überwindung des Todes oder des Vergänglichen gesprochen werden. Der Welt der Dauer gehört es auch nicht an, denn nach einer Aussage von Rudolf Steiner besteht für dieses Wirken des Christus kein "Urbild", keine "Region" in der Welt der geistigen Dauer.

Die Geisteswissenschaft Rudolf Steiners beschreibt den Christus als einen hohen kosmischen Geist, der in Freiwilligkeit in das irdische Leben herabgestiegen ist, um das zu vollziehen, was mit Leiden, Tod und Auferstehung ausgedrückt wird.
Aber welche Bedeutung hat dieser Leidensweg oder Opfergang innerhalb der Dichotomie von Dauer und Vergänglichkeit, also in der geteilten Welt? Hat er nur eine Bedeutung für die Welt des "Doppelwesens" Mensch oder hat er auch eine Bedeutung für die Gesamtheit der Welt, die geistige Welt der Dauer mit einbezogen?

Außerdem ergeben sich logische Widersprüche in der Darstellung Steiners, wenn man nicht von einer Überwindung der Polarität von Dauer und Vergänglichkeit durch etwas Drittes ausgeht:

So spricht Rudolf Steiner davon, dass es auf der einen Seite diese strikte Trennung gibt zwischen der Welt der Dauer und der Welt des rein Zeitlichen, der Entwicklung, und dass man vom Zeitlichen und von Entwicklungen in der Welt der Dauer, also in der Welt des Seelisch-Geistigen, nicht sprechen kann, weil dort eben alles dauert, also sich ewig gleichbleibt3).
Auf der anderen Seite spricht er aber davon, dass der Mensch in der geistigen Welt vorbereitet wird, um zu einem edlen Menschenbilde im irdischen Leben zu kommen und der spricht umgekehrt auch davon, wenn ich das einmal mit meinen Worten ausdrücke, dass der Mensch im irdischen Leben sich vorbereiten muss, um zu einem edlen Seelenleben in der nachtodlichen Welt, also in der geistigen Welt der Dauer zu kommen4).

3) Rudolf Steiner, "Die Polarität von Dauer und Entwicklung im Menschenleben", GA 184, Seiten 122-132, ISBN 3-7274-1840-0.

4) Rudolf Steiner, "Die Polarität von Dauer und Entwicklung im Menschenleben", GA 184, Seiten 133/134, ISBN 3-7274-1840-0.

Damit trägt der Mensch durch sein irdisches Leben etwas in die Welt der Dauer hinein, was vorher dort nicht vorhanden war (ein menschengemäßes Geistesleben oder ein nicht menschengemäßes Geistesleben als individuelle Seele), er bewirkt dort also eine Veränderung.

In dem Falle des Gesamtlebens des Menschen wird also etwas so beschrieben, dass es im Sinne von Ursache und Wirkung dargestellt ist. Das geistige Leben wirkt in das folgende irdische Leben und das irdische Leben wirkt in das folgende geistige Leben. Wenn man etwas aber ausspricht im Sinne von Ursache und Wirkung, bringt man es automatisch in einen zeitlichen Zusammenhang, im Sinne eines zeitlichen Nacheinanders. Und so gibt es nur die Möglichkeit, dass die Darstellung der dritten Weltenstufe als strenge Trennung der Gesamtwelt in ein ewiges, von Dauer geprägtes Gebiet und in ein zeitliches, von Vergänglichkeit geprägtes Gebiet falsch ist, oder man muss etwas Drittes ins Spiel bringen, welches in der Folge diese Polarität von Dauer und Zeitlichem zumindest für den Menschen überwindet.

 

Überwindung der Polarität von Dauer und Vergänglichkeit durch ein Drittes. (Graphik: Autor)

Was könnte dieses Dritte sein, das die Starrheit eines ewig sich Gleichbleibenden als auch die Unwiederbringlichkeit des Vergänglichen überwindet, so dass es als Rückwirkung eine neue Qualität der Entwicklung in beide trägt?

 

Ein weiterer Anhaltspunkt zur Überwindung der beschriebenen Polarität kommt wieder von Rudolf Steiner selber:

"Der Tod ist nämlich nichts anderes als der Ausdruck dafür, dass die einstige übersinnliche Welt an einen Punkte angekommen war, von dem aus sie durch sie selbst nicht weitergehen konnte. Ein allgemeiner Tod wäre notwendig für sie gewesen, wenn sie nicht einen neuen Lebenseinschlag erhalten hätte. Und so ist dieses neue Leben zu einem Kampf gegen den allgemeinen Tod geworden. Aus den Resten einer absterbenden, in sich erstarrenden Welt erblühen die Keime einer neuen. Deshalb haben wir Sterben und Leben in der Welt.5)"

5) Rudolf Steiner, Buch „Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?", TB 600, Seiten 172-173, ISBN 978-3-7274-6001-2.

Diese Aussage ist hochinteressant, denn:

  • Rudolf Steiner spricht davon, dass für "die einstige übersinnliche Welt ein allgemeiner Tod notwendig gewesen wäre". Mit "übersinnlicher Welt" meint er sicher auch die geistige Welt, also die Welt der Dauer. Es ist ja tatsächlich so, dass man die Welt der Dauer mit ihren ewig gleichbleibenden Verhältnissen auch als etwas Starres, Totes empfinden kann, obwohl es den Tod in der geistigen Welt nicht geben soll.
  • Und er deutet etwas an, was diesen allgemeinen Tod, also auch den der geistigen Welt überwinden soll und benennt es mit "neuer Lebenseinschlag" oder "neues Leben", aus dem "die Keime für eine neue Welt erblühen".
 

"Der Weltentod, Sterben und Leben als ein Übergang" (Graphik: Autor)

Aus einer zerfallenden, sterbenden Welt erheben sich die Keime zu einer neuen Welt mit einem neuen Leben. Aus welcher Kraft erheben sich diese Keime? Ist es die Kraft eines Engels oder ist der Engel nur derjenige, der diese Keime entgegennimmt?

Auch deutet der Geistforscher Heinz Grill an, dass für den Menschen der Wechsel zwischen einem Leben in der Dauer und einem Leben in der Vergänglichkeit, also der Wechsel von Sterben und Wiedergeborenwerden (Reinkarnation), nicht unbegrenzt weitergehen könne, da die Erde oder das irdische Leben den Menschen immer mehr in ein Gefangensein bringt:

"Bewusstsein und Körper verschmolzen im Laufe der Zeitgeschichte immer mehr miteinander. Das Materiellwerden bemerkten die Menschen und sie fühlten damit ihre Hoffnungslosigkeit im Geiste und in der Sünde. Man kann dieses Verschmelzen, dieses so starke Ineinandergehen von Bewusstsein und Leib als Verdichtung bezeichnen und diese nimmt den Menschen mit all seinen höheren Wesensgliedern in der Erde und in der Materie gefangen. Es kam für die Menschen zunehmend das dramatische Erscheinungsbild ihres eigenen physischen Gefangenseins und der Sünde.6)"

6) Heinz Grill, Buch "Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita", Seite 316, Stephan Wunderlich Verlag, ISBN 978-3-948803-18-6.

Meine Hypothese ist nun, dass das, was die Polarität von Vergänglichkeit und Dauer und damit auch den allgemeinen Tod überwindet, unmittelbar durch die Auferstehung, also durch das Wirken des Christus gegeben ist.

 

Überwindung der Polarität von Dauer und Vergänglichkeit durch das Wirken des Christus in Freiheit. (Graphik: Autor)

"Niemand kann mir mein Leben rauben; ich selber gebe es frei dahin. Ich habe die Freiheit es hinzugeben, und auch die Freiheit, es neu zu empfangen. Dies ist der Auftrag, den mir mein Vater gegeben hat.7)"

Johannes 10:18

 

7) Emil Bock, "Das Neue Testament", Johannes-Evangelium 10:18, Verlag Freies Geistesleben, ISBN 978-3-87838-236-2.

Damit wäre die Auferstehung als dritte oder neu hinzukommende Dimension grundsätzlich von der Reinkarnation zu unterscheiden. Die Reinkarnation geschieht in ihrer Gesetzmäßigkeit aus der Notwendigkeit (Karma) und dem "Durst nach Dasein", wie der Buddhismus das ausdrückt. Die Auferstehung vollzieht sich als ein Wirken rein in Freiheit: "Ich habe die Freiheit es (das Leben) hinzugeben, und auch die Freiheit, es neu zu empfangen."

Um sich die ganze Tiefe und die Polarität von Dauer und Vergänglichkeit überwindende Wirkung des Christus nahezubringen kann ich noch folgenden Satz des Geistlehrers Heinz Grill hereinführen. Es ist der Tod des Christus als die höchste Opfergabe:

"Brahman ist selbst die Opfergabe, sein ureigenes Sein ist das Feuer. Dasjenige, das sich opfert, ist Brahman. Übertragen gesehen könnte man sagen: Es ist der Geist, der sich opfert, und scheinbar opfert er sich für die Welt, aber nicht wirklich für die Welt, sondern für sich selbst, für seine eigene Geistvollkommenheit.8)"

8) Heinz Grill, Buch: "Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita", Seite 358, ISBN 978-3-948803-18-6.

Wie kann man das nun verstehen? Mit seinem Tod ist der Christus nicht nur gestorben, wie man das gewöhnlich versteht, sondern er ist durch einen absoluten Nullpunkt hindurchgegangen und hat sich in der Auferstehung vollständig neu geschaffen, also wieder in ein neues Sein gerufen. Es ist ein "Schaffen aus dem Nichts" in einer vollständig freien Tat, denn wie der Christus es selber äußerte:

 "Bisher ging alles Wirken vom Vater aus. Von jetzt an aber wirkt das Ich, das in mir lebt.9)"

Johannes 5:17

9) Emil Bock, "Das Neue Testament", Johannes-Evangelium 5:17, Verlag Freies Geistesleben, ISBN 978-3-87838-236-2.

 

Das Dritte, die Polarität Überwindende: "Die Schöpferkraft in Freiheit" (Graphik: Autor).

Bisher geschah in der Weltentwicklung also alles aus der Notwendigkeit des gesetzlichen Verhältnisses von Dauer und Vergänglichkeit, jetzt ist ein völlig neues Prinzip des Schaffens oder des Schöpferischen in Freiheit geboren.

 

 

Entscheidend sind nun zwei Dinge:

  • Erstens, dass der Mensch selber als "Doppelwesen" sowohl der Welt der Dauer, als auch der Welt der Vergänglichkeit angehört.
  • Zweitens, dass ihm etwas durch den Christus gebracht wurde, als "Tod und Auferstehung", das ihm Möglichkeit des schöpferischen freien Wirkens mit der Überwindung der Polarität von Dauer und Vergänglichkeit gibt.

Dass diese neue Form des schöpferischen freien Wirkens als Gabe an den Menschen gerichtet ist, kann man an Aussagen des Christus, die er zu seinen Jüngern spricht, erkennen:

"Ja, ich sage euch, was ihr auf der Erde bindet, soll auch in der geistigen Welt als gebunden gelten, und was ihr auf der Erde löst, soll auch in der geistigen Welt als gelöst gelten.10)"

Matthäus 18:18

10) Emil Bock, "Das Neue Testament", Matthäus-Evangelium 18:18, Verlag Freies Geistesleben, ISBN 978-3-87838-236-2.

Oder:

"Ich habe euch die Kraft gegeben, wenn ihr die Erde verlaßt, eure Lebensfrüchte durchzutragen und ihnen Dauer zu verleihen.11)"

Johannes 15:16

11) Emil Bock, "Das Neue Testament", Johannes-Evangelium 15:16, Verlag Freies Geistesleben, ISBN 978-3-87838-236-2.

Das Zentrale und Bemerkenswerte an diesen Stellen ist, dass ausgesagt wird, dass Menschen, hier also die Jünger, eine Wirkung aus der zeitlich-vergänglichen Welt heraus in die geistige Welt entfalten können und somit durch den Menschen etwas aus der irdischen Welt in die Welt der Dauer hineingetragen werden kann. Damit ist die strikte Trennung zwischen Dauer in ihrem ewig gleichbleibenden Verhältnissen und der reinen Vergänglichkeit überwunden, denn es treten durch den in der Zeitlichkeit wirkenden Menschen Veränderungen in der geistigen Welt ein!

Rudolf Steiner spricht auch davon, dass der Mensch als seine Aufgabe ein Gleichgewicht halten soll, zwischen der geistigen Welt des ewig Dauerndem und der irdischen Welt der Zeitlichkeit, wie es sich keimhaft schon in seiner Doppelnatur ausdrückt.12)

12) Rudolf Steiner, "Die Polarität von Dauer und Entwicklung im Menschenleben", GA 184, Seiten 166-170, ISBN 3-7274-1840-0.

Aber wofür? Welche Bedeutung hat das für die Welt als Ganzes?

Durch den Menschen soll ein ganz freies und damit neues Schöpferwirken in die Welt kommen, dass die rein aus der Notwendigkeit bestehenden Verhältnisse zwischen Dauer und Zeitlichkeit überwindet.

Betrachten wir hierzu einmal die sogenannte "Seelenübung", wie sie in der Geistschule von Heinz Grill praktiziert wird:

 

 

Der Beitrag ist noch in Bearbeitung.

 

 

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